Was Hänschen nicht lernt,

lernt Hans nimmermehr“, sagt der Volksmund und so höre ich es auch immer wieder beim Tischtennis. Viele trauern der Jugendzeit nach, in der das Erlernen und Verbessern der Tischtennistechnik spielend einfach gewesen wäre. „Jetzt ist es zu spät, etwas dazu zu lernen.“, sagen sie.

Tatsächlich ist dies eine weit verbreitete Meinung über die Lernfähigkeit des Menschen: Wir kommen leer auf die Welt, lernen in den ersten Lebensjahren alles Nötige und sind fertig, wenn wir unseren Beruf ergreifen.

Doch heute wissen wir: Das stimmt gar nicht.

Die moderne Gehirnforschung hat herausgefunden, dass die Möglichkeit zu lernen ein Leben lang bestehen bleibt, man spricht von „Neuroplastizität“. Das Gehirn baut sich ständig um, je nachdem wofür es benutzt wird. Wer etwas Neues über eine längere Zeit macht oder erlebt, verändert die Verschaltung seines Gehirns: er lernt dazu.

Doch unzweifelhaft fällt es vielen Erwachsenen schwerer zu lernen als Kindern.

Wie passt das zusammen?

Zum Lernen brauchen wir noch eine weitere Zutat, einen Dünger, der unsere Gehirnzellen anregt, sich neu zu verschalten und neue Gehirnzellen wachsen lässt,

Begeisterung.

Die Verschaltung des Gehirns wird nur verändert, wenn wir begeistert sind, wenn wir der subjektiven Meinung sind, dass das Gelernte wichtig für uns ist. Dann bekommen wir eine Gänsehaut, erleben eine Sternstunde, sind ganz hippelig und können gar nicht genug davon bekommen.

Kinder erleben solche Momente, in denen ihr Gehirnstoffwechsel Karusell, fährt bis zu 40 mal am Tag, in ganz verschiedenen Situationen, Erwachsene oft gar nicht. Sie glauben, alles schon mal erlebt zu haben und übersehen das Neue vor ihrer Nase.

So ist es auch beim Tischtennis.

Wenn jemand einen heranfliegenden Ball z.B. immer erst spät nimmt, ihn weit austrudeln lässt und dann auf Tischhöhe mit viel Oberschnitt aus der Hüfte spielt, begeistert ihn dieser Schlag so sehr, dass er ihn immer wieder wählt und immer bessser darin wird.

Sage ich jetzt eine Übung an, in der tischnah, über den Ball gegangen werden soll, um den Ball von oben zu ziehen, erlebt der Spieler das Gegenteil von Begeisterung, Frustration. Nichts klappt mehr, jeder Ball fliegt über den Tisch und, „wieso will der doofe Trainer eigentlich, dass ich das übe?“

Wenn etwas nicht klappt haben viele Menschen unangenehme Gefühlen, wie z.B. Wut, Trauer, Angst und reagieren, indem sie aufgeben und so weiterspielen, wie immer. Unzulänglichkeiten haben einen schlechten Ruf in unserer Gesellschaft, dafür werden wir oft gehänselt oder wir verurteilen uns selbst für das, was wir noch nicht so gut können.

Probier beim nächsten Training doch mal was aus.

Sag Dir doch mal: „Oh, spannend, das kann ich noch nicht, klasse, da will ich mehr von,  jetzt habe ich die Chance etwas Neues zu lernen.“

Hört sich komisch an? Ist es auch, doch Sehr effektiv. Ich würde vorschlagen das Wort „Fehler“ ganz zu streichen und es durch „Feedback“ zu ersetzen.

Kinder brauchen für diesen Prozess gute Lehrer, die immer wieder das Potenzial ihrer Schüler sehen und sie nicht verurteilen. Erwachsene haben die Chance, sich selbst ein guter Trainer zu sein. Dafür reicht es oft aus, seine Gedanken zu verändern, denn wie schon im Talmud steht:

„Gedanken werden zu Worte, Worte werden zu Taten, Taten werden zu Gewohnheiten, Gewohnheiten werden zum Charakter, Dein Charakter wird zu Deinem Schicksal.“

 

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