Nico ist Kreismeister 2020

Am Sonntag, den 01.11.20, fanden in Eberswalde die Einzelkreismeisterschaften der Erwachsenen statt. Sechs aktive unseres Vereins ließen es sich nicht nehmen, den vorgezogenen Abschluss der Tischtenniswettkämpfe im Corona-Jahr 2020 zu bestreiten. Insgesamt traten 32 Herren und 5 Damen aus unserem Landkreis an.

Nico, Olli, Alec, Remo und Ben qualifizierten sich soverän für die KO-Runde, während ich mit dem dritten Vorrundenplatz ausschied. Das hatte aber auch einen schönen Nebeneffekt: Ich durfte in der Trostrunde noch weitere 4 Spiele absolvieren 🙂

Olli zeigte, dass er gut in Form ist, musste sich aber nach starkem Spiel im Achtelfinale gegen den Gesamt-Drittplatzierten Pauli mit 1:3 geschlagen geben. Auch für Remo ging es sehr knapp zu. Im letzten Gruppenspiel siegte er nach einer Nervenschlacht im 5. Satz mit 16 zu 14 gegen Müller. Die Kurze Pause reichte dann aber wohl nicht, um die Energiespeicher nochmal aufzufüllen, so dass er das Viertelfinalspiel im 5. Satz knapp verlor. Schade, da wäre eigentlich mehr drinn gewesen !

Besser machte es Ben. Er erkämpfte sich im Achtelfinale einen Sieg im 5. Satz, musste sich dann aber auch gegen Pauli geschlagen geben.


Alec traf in seinem ersten KO-Spiel auf den späteren zweitplatzierten Johannes Gohlke, an dem er schon 2019 im Finale der Kreismeisterschaften gescheitert war.

Auch dieses Jahr fand er kein Mittel gegen den spektakulär verteidigenden Noppenspieler. Immerhin hatten wir Zuschauer einiges zu gucken.

Und nun zu Nico
Anfang 2020 kam Nico von Hellas Nauen zu uns und spielt seitdem in der 1. Mannschaft. Er ist eine klasse Verstärkung für die Mannschaft und den Trainingsbetrieb. Als B-Lizenz Trainer kann er viele Tipps geben und durch sein technisch sehr versiertes Spiel zeigt er, wie Tischtennis auch sein kann. Dabei ist besonders bemerkenswert, wie er mit wenig Körperbewegung aber viel Unterarm-und Handgelenkeinsatz fantastische Topspins spielen kann, die ansatzlos parallel und diagonal einschlagen.

Am Sonntag erwischte Nico einen sehr guten Tag, oder es ist der fleißige Trainingseinsatz in den letzten Monaten, der jetzt Früchte trägt. Ohne Satzverlust ging er in die KO-Phase und schlug dort die beiden Bernauer Blätterwald und Wunderwelt ohne Satzverlust.

Das Halbfinale ging 3:1 aus, Nico brauchte den ersten Satz, um sich auf das Spiel von Christa einzustellen und seine Schwachstellen zu finden.

Im Finale gings gegen den Vorjahressieger Johannes Gohlke. Wir konnten ein sehr hochklassiges Spiel erleben, indem Johannes spektakuläre Verteidigungsschläge präsentierte und Nico zur Höchstleistung trieb. Im Vierten Satz beim Spielstand von 11 zu 12 rief der verzweifelte Johannes aus: „Immer spielt er parallel und jetzt Diagonal, das kann doch nicht wahr sein.“ Nico holte den Satz und damit auch den Meistertitel.

Endspiel KEM 2020 Johannes gegen Nico

Toller Einstand Nico. Leider können wir am Montag nicht feiern und das versprochenen Siegerbier trinken. Doch jede Durststrecke geht vorbei und aufgehoben ist nicht aufgeschoben. Wenn wir Glück haben und uns alle an die Lockdown Regeln halten, egal ob wir sie für sinnvoll, verhältnismäßig oder rechtens halten, gibt es eine gute Chance, dass wir im Dezember wieder trainieren können.

In diesem Sinne: Bleibt gesund

Ergebnisse 17. Stadtmeisterschaft

Am Samstag, den 24.10.2020 fanden die 17. Stadtmeisterschaften der Stadt Werneuchen statt. Gespielt wurde in 4 Kategorien: Vereinsspieler, Hobbyspieler, Schüler bis 14 Jahre & Doppel gemischt. Alle Corona-Auflagen wurden erfolgreich erfüllt und alle 47 Teilnehmer freuten sich mit Begeisterung auf eins der letzten Highlights des Jahres vor dem Lockdown-Light. Hier sind die Ergebnisse:

Stadtmeister

1.Ben Neffin
2.Stefan Lochner
3.Alec Keiling

Hobbyspieler:

1.Michael Wichmann
2.Jens Kaließ
3.André Kunze

Schüler bis 14 Jahre:

1.Bennet Buchert
2.Jamiro Wasmer
3.Nils Holzwardt

Doppel:

1.Stefan Lochner & Michael Wichmann
2.Alec Keiling & Jens Kaließ
3.Paul Meik & Thomas Heidler

17. Stadtmeisterschaften 2020

Tischtennis – 17. Stadtmeisterschaft 2020 für Alle

Samstag 24.10.2020 um 10.00 Uhr, Sporthalle auf dem Flugplatz (Hangar 3),

Walter-Krüger-Halle

Alle Werneuchener die Freude am Tischtennis haben sind herzlich eingeladen. Gespielt wird wieder in 4 Wettkampfeinteilungen:

(1) Einzel Vereinsspieler,
(2) Einzel Hobbyspieler,
(3) Einzel Schüler bis 14 Jahre und
(4) Doppel gemischt.

Spielberechtigt sind aller Werneuchner (inkl. Ortsteile) und Vereinsmitglieder des SV RW Werneuchen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Zu gewinnen gibt es Pokale und Medaillen. Anmeldungen sind bis spätestens 9.30 Uhr vor Ort möglich.

Der lange und der Kurze Weg zum 1.Sieg

Die Saison 20/21 hat begonnen. Endlich können wir uns wieder mit anderen Mannschaften im regelmäßigen Spielbetrieb messen. Zwar finden bei den Erwachsenen coronabedingt keine Doppel statt und alle achten auf Mindestabstand, gute Lüftung im TT-Raum und Verzicht auf Shakehands, aber ansonsten erinnert fast nichts an die Pandemie. Hoffentlich bleibt das so und hoffentlich können wir die Saisonn ungestört zu Ende spielen.

Am letzten Wochenende bestritten unsere beiden Jugendmannschaften Ihre ersten Heimspiele. Für die 1. Jugendmannschaft ging es am Samstag gegen Hohen Neuendorf, die mit einer kompletten Mädchenmannschaft anreisten. Gleich war eine ganz andere Stimmung in der Halle, die es unseren Jungs nicht unbedingt einfacher machte, konzentriert zu bleiben. Wäre es nicht schön, wenn auch wir mehr Mädchen vom Tischtennis begeistern könnten? Im Moment haben wir mit Anja und Marie-Luise leider nur zwei aktive Nachwuchsspielerinnen.

Anja kam auch zum Einsatz, musste sich aber in Ihren vier Spielen geschlagen geben. Leider kann sie nur noch selten trainieren, weil sie nach Berlin gezogen ist. Toll, dass sie trotzdem weiterhin für uns spielt. Jamiro ging es nicht besser. Auch er verlor seine Spiele, viele Sätze nur ganz knapp. Da machte ihm der Kopf und der unbedingte Wille zum Sieg einen Strich durch die Rechnung. Wer kennt das nicht: bei drohendem Satzgewinn verkrampft sich alles, die Gedanken schweifen ab und schwups ist das Spiel verloren. Hier heißt es cool bleiben, Wettkampfhärte aufbauen und sich zwingen immer nur an den nächseten Ball zu denken.

Bennet und Tom machten es besser und holten jeweils zwei Spiele, so dass wir am Ende ein 4:10 erreichten.

Am Sonntag trat unsere zweite Mannschaft in neuer Formation an. Markus hatte entschieden den Neuen Walter, Nils und Paul einen ersten Auftritt in unserer Wettkampfarena zu spendieren. Theo komplettierte das Team und übernahm als altgedienter die Rolle des Kapitäns. Gespielt wurde im Braunschweiger System, wodurch wir zu viert gegen drei Bernauer antreten konnten.

Soverän starteten Theo und Walter mit einem 3:0 Sieg im Doppel. Klasse, dass die neu formierte Kombi so gut funktionierte und Walter bei seinem ersten Spiel gleich einen Sieg ergattern konnte.

Danach folgten leider drei 5 Satz Niederlagen. Nils, Theo und Walter konnten am Ende den Sack nicht zumachen, schade. Paul konnte in seinem ersten beiden Punktspielen leider nicht gewinnen und so blieb ihm als kleiner Trost die Erfahrung eines Ligaspiels, wo das Nervenkostüm schon mal ganz schon flattern kann.

Nils machte es in seinem zweiten Spiel besser. Gegen den mit 963 TTR Punkten ganz schön guten Jonathan zeigte Nils alles. Konzentrierte Schupfbälle, klasse Ballgefühl und den gewissen Killerinstinkt, die entscheidenen Bälle zu machen. Nach 5 Sätzen und beim Stand von 10:7 hatte er seinen Gegner weichgekocht und konnte äußerlich cool und gelassen den letzten fulminanten Ballwechsel gewinnen. Klasse, ein gewonnenes Spiel beim ersten Einsatz, davon kann man nur träumen.

Besser gesagt, davon träumt Theo schon etwas länger. Er hat im März 2017 sein erstes Punktspiel bestritten, das er verlor. In der folgenden Zeit hat er 66 weitere Spiele für uns gemacht, alle hat er verloren. Was für eine Leistung weiter zu machen, weiter zu trainieren und weiter an sich zu glauben!

Und dann gings gegen Juri vom TTC Bernau, der mit 939 TTR Punkten 89 mehr als Theo hatte. Der erste Satz ging klar an unseren Gast, der stark von Theos Fehlern profitierte. In der Satzpause sagte ich Theo, er solle mehr Schupfen, denn mit Unterschnitt kam sein Gegner nicht so gut klar. Doch Theo gab zu bedenken, dass der Schupfschlag eher zu seinen nicht so guten Schlägen gehöre. Trotzdem probierte er es im zweiten Satz öfter und verlor nur knapp mit 10:12. „Siehtst Du“, sagte ich zu ihm, „als Du viel Unterschnitt erzeugt hast, hast Du die Bälle gewonnen und am Ende hast Du wieder auf Dein Offensivspiel umgestellt und verloren.“ Theo war einsichtig und spielte im Folgesatz konsequent Schupf und siehe da: 11:4 gewonnen. Jetzt wurde sein Gegner nervös und Ihm gelang nichts mehr. Erst beim Spielstand von 8:3 für Theo im vierten Satz, merkte er es und spielte auch viel defensiver und kam auf 8:7 heran. Eine kritische Spielsituation. Als Juri schon zu seinem nächsten Aufschlag ansetzte, rief ich: „Auszeit“. Alle lachten, denn so ernst nehmen wir die Spiele meistens nicht und bei den Schülern sind Auszeiten eher selten. Viel hatte ich Theo nicht zu sagen, aber es gab ihm Gelegenheit etwas zu trinken, etwas Atmen zu holen und vielleicht würde ja der Rhythmus des Gegners unterbrochen werden. Wieder am Tisch fiel der Ausgleich – alles für die Katz? Nein, Theo blieb konzentriert und haute den nächsten Ball mit einem klasse Vorhandschuss, fast auf Tischhöhe, zurück. Nach dieser erneuten Führung, brachte er das Spiel mit 11:8 nach Hause. 2:2, jetzt gings um die Wurst. Doch so kanns gehen. Sein Gegner war völlig von der Rolle und Theo gewann ungefährdet mit 11:7.

Klasse Theo, jetzt weisst Du wie sich ein Sieg im Tischtennis anfühlt. Ich hoffe viele weitere werden folgen 🙂

Level-Up

Letzten Donnerstag habe ich Jamiro zum Einzeltraining eingeladen. Donnerstag ist der Trainingstag, an dem wir besonders talentierte und traingseifrige Nachwuchs-Spieler fördern.

Wie üblich begannen wir mit einer kurzen Erwärmung, ein paar Runden Lauf-ABC, ein paar Dehnübungen und schon gings mit dem Einspielen los: Vorhand-Konter, Rückhand-Konter und Topspin auf Block. Ich liebe diesen immergleichen Beginn und auch Jamiro zeigte ein breites Grinsen, als er nacheinander fünf Hammerspins auf mich abfeuerte und beim Sechsten die Nerven verlor und dem Duell mit einem übermütigen Schuß (ins Netz) ein Ende setzte.

Immer wieder war ich von der Qualität der Bälle so begeistert, dass ich laut ausrief: „Ja, genau, Wau, Klasse, Super…“, und selbst eine Gänsehaut vom Gelingen seiner Schläge bekam. So macht es Spaß Traininer zu sein. Doch es wurde noch besser:

In der nächsten Übung bestand Jamiros Aufgabe darin, einen Aufschlag zu machen, der entweder in meine tiefe Vor- oder Rückhand kommen sollte. Er sollte die gleiche Aufschlagbewegung durchführen und erst so spät wie möglich mit einem kleinen Dreh des Schlägers steuern, in welche Ecke der Ball kommt. Zuerst beobachtete ich seine Bewgung ganz genau, um den ankommenden Ball, möglichst gut zu antizipieren. Nach ein paar Minuten ging die Übung ganz gut und meine Gedanken schweiften ab. Ich dachte an ein Technikvideo, in dem Timo Boll den Topspin erklärt:

„Das könnte ich doch mal ausprobieren“, sagte ich mir und brachte beim nächsten Schlag die linke Seite meiner Hüfte etwas nach vorne, während meine rechte Schulter zurück blieb, bis ich dort eine Spannung spürte. Durch diese Vorspannung sammelte sich Bewegungsenergie, die bei der Schlagausführung frei wurde.
„Wumps“, machte es, als der Topspin übers Netz flog und auf Jamiros Seite einschlug. Ungläubig spürte ich der Bewegung meines Körpers nach. Es fühlte sich total natürlich und richtig an, wie er sich bewegt hatte und zum Dank überschüttete er mich mit einer Ladung Dopamin, die mich zum Weitermachen antrieb.

Unser Training, bei dem ja quasi ich diesmal der Lernende sein durfte, ging mit einem Trainingsmatch zu Ende, bei dem ich mich ganz schön strecken musste, um zu gewinnen. Ich verabschidete Jamiro und ging nach draußen, wo mich ein dramatischer Sonnenuntergang erwartete. Wie oft hatte ich schon vergeblich an meinen Bewegungsabläufen gefeilt? Wie oft in den letzten 6 Jahren wollte ich schon meinen Schläger wegwerfen? Bestimmt 1000 Trainingsstunden hatte sich nichts getan und jetzt, ohne dass ich es wollte, war etwas besonderes passiert.

Das Leben verläuft nicht immer gleichmäßig, manchmal scheint es sich stufenhaft zu entwickeln. Wie in der Quantenphysik beschrieben, bleibt es lange auf einem Niveau und macht dann plötzlich einen Sprung auf eine neue Stufe. Dieser Sprung auf ein neues Level kommt nicht einfach so daher, Voraussetzung dafür sind die vielen kleinen, unsichtbaren Schritte, die wir allzu oft übersehen und für Stillstand halten.

Gut gelaunt ging ich wieder rein. Heute war Herrentraining der 1. und 2. Mannschaft. Ich spiele seit kurzem in der 2. Mannschaft, bin aber mit Abstand der Schwächste im Team und gegen einen Spieler der 1. habe ich noch nie gewonnen. Zugegeben, Lukas, die Nummer 1 des Vereins, hat mich zuerst nicht ernst genommen und ich konnte es fast nicht glauben, als es 2 zu 2 stand und ich 8 zu 7 vorne lag. Ein ums andere mal hatte ich die neue Bewegung gut umgesetzt und sogar etwas ähnliches im Rückhand-Topspin entdeckt. Noch drei Punkte, ich wußte, dass sich Lukas nicht mehr steigern konnte. Ganz einfach brachte ich das Spiel mit 11 zu 7 nach Hause.

Sicher, das war nur ein Trainingsspiel und der Underdog hat es immer leichter als der Favorit. Doch ich habe diese Stufe genommen, ich weiß jetzt, dass ich einen Spieler mit 1630 TTR-Punkten besiegen kann.

Doch viel wichtiger ist mir, dass ich einen neuen Teil des Bewegungsablaufs selbst verstanden habe. Unser Nachwuchs kann sich schon mal freuen, dass ich beim Training jetzt immer wieder auf dieser Bewegung rumreiten werde 🙂

P.S. Ich freue mich auf Kommentare, die Du hier eintragen kannst.

Die Erfindung – Teil 6

Ich wachte am Samstag früh auf und spürte die Kraft der Möglichkeiten. Ein ganzes Wochenende ohne lästige Unterbrechungen lag vor mir, um an der Erfindung zu arbeiten.

Als erstes machte ich mir einen Plan:

1. Anzeige einbauen, die den Spin des ankommenden Balls anzeigt.
2. Optimalen Zeitpunkt für das Ausholen und Treffen des Balls berechnen und anzeigen.
3. Einblenden der prognostizierten Flugbahn des Balls und Treffpunkt auf dem Tisch markieren.
4. Training mit richtigem Gegenspieler.

Ich schaute mir den Plan an und erledigte das Einfachste sofort. Nachricht an Ben: „Hi Ben, hast Du morgen 15 Uhr Zeit? Treffpunkt bei mir, bring TT Sachen mit.“ Er antwortete prompt: „Klar, willst Du eine weitere Abfuhr :-?“
Ich antwortete: „Wir werden sehen.“

Dann machte ich mich an die Verbesserung des Head-Up Displays. Den angezeigten virtuellen Schattenspieler schmiss ich raus, stattdessen baute ich eine Schnittanzeige ein. Sie war in Form eines Pfeil an den ankommenden Ball geheftet. Die Länge des Pfeils gab die Stärke der Ballrotation an, die Richtung des Pfeils die Art des Schnitts: Unter-, Ober-, Seit- und Querschnitt.

Es lief gut, ich vergaß Zeit und Raum und als ich mit der Anzeige des optimalen Balltreffpunkt fertig war – Ich hatte einen Farbsaum um den Ball erzeugt, der von gelb nach schwarz wechselte, je dichter der ideale Balltreffpunkt kam und sich rot verfärbte, je länger dieser Zeitpunkt schon verstrichen war, wusste ich, dass ich es schaffen könnte.

Zuletzt fand ich einen einfachen Weg die Flugkurve des Balls zu prognostizieren und mit einer gestrichelten Linie anzuzeigen. Perfekt. Erschöpft fiel ich in einen traumlosen Schlaf.

Am nächsten Morgen sprang ich um 10:30 aus dem Bett, frühstückte drei Nutellabrote und ging dann direkt in den Keller.

Ich stellte die Ballmaschine auf zufälliges Spiel ein und übte, übte, übte. 

Mit jedem Schlag lernte ich, besser auf die Anzeigen zu reagieren, meine Ausholbewegung zu koordinieren und mit dem passenden Schlägerwinkel im richtigen Zeitpunkt zu treffen.

Als Ben an der Haustür klingelte, war ich bereit.

Die Erfindung – Teil 5

Schon auf dem Weg zur Sporthalle am nächsten Freitag, wusste ich, dass es ein Scheißtag werden würde. Meine Eltern hatten sich mal wieder gestritten, worum es ging, who cares. Kurz vor der Halle hatte ich einen Platten im Hinterrad und musste schieben und als ich endlich bei der Halle ankam, begrüßte mich Ben wie immer mit Handschlag und: „Hi Jörg, alles Cool?“. Bevor ich antworten konnte sah ich Kathi, wie sie sich mit Küsschen links und Küsschen rechts von einem viel älteren Typen, der sogar schon Barthaare auf der Oberlippe hatte, verabschiedete. Der Tag war gelaufen und ich konnte Ben nur gequält antworten:“Cool, klar.“

Nach der Aufwärmung ging es an die Tische. Ich durfte mit zwei anderen Balleimertraining bei Markus machen. Die Falkenbergübung bekam ich überhaupt nicht hin. Rückhand, Vorhand, Rückhand und Vorhand aus der Vorhandseite machten mich total fertig. Nils und Jamiro machten es viel besser. Doch Markus lobte uns alle für die Verbesserungen, die wir während der Übung schafften. Dabei verglich er uns nicht gegenseitig, sondern stellte nur fest, wenn wir etwas besser als zu Beginn der Übung hinbekommen hatten. Eine ganz neue Erfahrung für mich, denn sonst schaue ich immer auf den Besten und wenn ich es nicht bin, werde ich schon mal sauer und will dann gar nicht weiter machen.

Markus wurde nicht müde zu betonen, wie wichtig die Beinarbeit und dabei schnelle und tiefe Site-Steps im Tischtennis sind, eine Information, die mir bisher noch nicht so klar war und die ich unbedingt in mein Training einbauen musste.

Das abschließende Spiel gegen Tom, einen der älteren Spieler, verlor ich klar. Ein ums andere Mal erkannte ich den massiven Unterschnitt in seinen Bällen nicht, so dass ich den Ball ins Netz schlug. Und wenn ich dachte, der Ball hätte ganz viel Unterschnitt, war er leer und sprang so hoch, dass Tom ihn mir um die Ohren haute.

Es war nicht mein Tag.

Zuhause setzte ich mich an meinen Computer und versuchte mein virtuelles Trainingssystem zu verbessern, aber auch das wollte heute nicht gelingen. Entnervt gab ich auf, legte mich aufs Bett und drehte die Anlage auf, bis ich gar nichts mehr fühlte außer die Bässe der Musik.

6. Teil

Die Erfindung – Teil 4

Zwei Wochen später war der Prototyp fertig. Ich hatte einen freien Cloud Service zur Mustererkennung bewegter Bilder, wie er auch zur Steuerung autonomer Autos genutzt wird, so angepasst, dass damit auch die schnellen Aktionen des Tischtennis aufgelöst werden konnten. Ich trainierte das neuronale Netz mit den vielen Videos auf YouTube und mit den Lehrvideos von Timo Boll Webcoach, zu dem ich seit kurzem ein Premium Zugang hatte. Hier gab es das beste Videomaterial zum erlernen von Flip, Block, Schupf, Topspin, Konter, Banane, Abwehr- und Aufschlag.

Bei der zweiten Komponente der Erfindung konnte ich aus dem Vollen schöpfen: In den letzten vier Jahren hatte ich in meiner Freizeit und in vielen durchwachten Nächten an dem Open Source Projekt „Ping Pong“ mitgearbeitet. Wir hatten, basierend auf der Unreal Engine von Epic Games einen Tischtennis Simulator geschrieben, den ich leicht auf meine Bedürfnisse anpassen konnte.

Über vier Kameras, die ich um unsere Tischtennisplatte im Keller verteilt hatte, gelangte die Spielsituation in meinem Gaming PC, der daraus ein komplettes dreidimensionales Modell der Spielsituation berechnen konnte. Die Rechenleistung reichte aus, um dies bis zu 500 Mal in der Sekunde zu erledigen. Schon verrückt, wie leistungsfähig die aktuellen Grafickarten geworden sind, im Jahr 2000 hätte mein Spiele PC mit dieser Rechnenleistung locker die Spitzenposition der leistungsstärksten Computer der Welt erobert.

Der Computer konnte gleichzeitig die Spielsituation analysieren und daraus einen künstlich generierten Spieler, der Timo Boll sehr ähnlich sah, generieren. Dieser virtuelle Spieler wurde in meine AR-Brille projeziert, mit der ich gleichzeitig das Spielgeschehen und die Spieleranimation vor mir sehen konnte. (Das funktioniert so ähnlich wie ein Head-Up Display im Düsenjet.)

So ausgestattet mit der Brille vor dem Gesicht – siehe Bild oben – hatte ich ein sich perfekt bewegenden und schlagenden Spieler in meinem Blick, den ich nur noch nachmachen brauchte.

Das hört sich vielleicht leicht an, aber beim Training an unserer Ballmaschine im Keller wurde mir schnell klar, dass ich noch sehr viel Training vor mir hatte. Aber das kante ich schon von den Computerspielen, bei denen ich mühsam Stück für Stück besser geworden bin, manchmal über Jahre hinweg. Auch da hatte ich mich nicht demoralisieren lassen.

Ich wußte, ich hatte ein Ziel, nichts würde mich aufhalten, so gut wie Kathi zu werden.

5. Teil

Die Erfindung – Teil 3

Ich stand auf einer Anhöhe, neben mir Oasis und Driver, meine Gefährten. Mein Blick ging durch mein Visier, auf dem alle wichtigen Statusinformationen und das Zielkreuz zum Anvisieren der Gegner sichtbar war. Klar, dass wir diesen Strike gewinnen und damit die ewige Bestenliste von NiteForte anführen würden.

Oasis nahm gerade das Gebäude vor uns unter Beschuss, als Driver mir übers Headset zurief: „Ich geh rein, gib mir Feuerschutz.“ Ich sprang nach vorne, drückte zweimal schnell die linke Maustaste, um zu springen und stand am Tischtennistisch, auf der anderen Seite Kathi, die zum Aufschlag ausholte.

Keine Zeit zum Nachdenken, da kam schon der Aufschlag angeschossen. Ich hatte keine Chance. Auch der zweite Aufschlag schlug so schnell in meiner tiefen Rückhand ein, dass ich nicht reagieren konnte. Doch jetzt war ich dran. Als ich mich auf meinen Aufschlag vorbereitete, fielen mir verschiedene Anzeigen in meinem Sichtfeld auf, die mir wie beim Computerspiel helfen konnten.

Ich warf den Ball hoch und sah einen vertikale Balken, der seine Farbe änderte, als der Ball wieder runter kam. In dem Moment, als er knapp über der Tischkannte war, blinkte er grün, dass sollte wohl bedeuten, dass jetzt der optimale Moment zum Schlag war. Leider verpasste ich den Ball, doch im nächsten Versuch war ich schon besser. Der Ball kam regelgerecht übers Netz, Kathi antwortete aber mit einem tollen Vorhand Flip, 4 zu 0 für sie.

Bei ihrem nächsten Aufschlag war ich schon besser: der ankommende Ball war von einem roten Lichtschein umgeben, damit wurde der Schnitt markiert. Rot signalisiert Oberschnitt und blau bedeutet Unterschnitt. Die Flugkurve des Balls war durch einen blassen Streifen gekennzeichnet, ich konnte also ganz schnell erkennen, wo der Ball auf meiner Seite aufkommen würde. Klasse, dachte ich mir, so gewinne ich gegen sie.

Die nächsten Punkte waren ausgeglichener, doch am Ende verlor ich 11:5. Es war zwar einfacher, mit den Anzeigen zu spielen, doch fiel es mir noch schwer alle Informationen in meine Reaktionen einfließen zu lassen. Mir fehlte Training, aber ich sah einen Weg besser zu werden.

Als wir uns am Ende des Spiels abklatschten, hörte ich Kathi sagen:“Toll Jörg, Du bist ja echt schnell besser geworden, bald wird es schwer werden, gegen Dich zu gewinnen.“ Darauf fiel mir nichts ein, ich erwiderte nur: „Ach, Du spielst doch noch viel besser als ich.“

Als Kathi lächelte ging das Licht in der Halle aus und ich wachte auf.

4. Teil

Die Erfindung – Teil 2

Zu Hause erwartete mich meine Mutter mit einem opulenten Abendessen und ähnlich vielen Fragen wie es vegetarische Bio-Aufstriche auf dem Tisch gab. Wie mich das nervte. Immer wollte sie alles ganz genau wissen, als ob ich noch ein Kind wäre.

Irgendwie schaffte ich, dass sie aufgab und ich verzog mich in mein Zimmer. Dort setzte ich mich gleich in meine Denker-Ecke, ich brauchte einen klaren Kopf und eine gute Idee.

Was war in der Sporthalle passiert?
Ich machte meine Augen zu, stellte mir nochmal die Tischtennishalle vor, sah Kathi beim Balleimertraining und zack, wieder bemerkte ich, wie mein Herz schneller schlug, wie beim Spurt auf dem Fahrrad. Und da war wieder das angenehme Kribbeln im Bauch und meine Ohren wurden auch schon wieder rot.

Der Fall war klar, ich hatte mich verliebt oder, wie es mein älterer Bruder ausdrückte, verknallt. OK, doch was sollte ich machen? Wie könnte ich an Kathi rankommen? Einfach hingehen und sagen: „Hey,willst Du mit mir gehen“, ging ja wohl nicht.

Ein paar Momente später kam mir die Idee: Wenn ich so gut wie sie spielen könnte, würde sie mich bemerken und vielleicht sogar mit mir reden und dann wäre alles möglich.

Ben hatte erzählt, dass man viel und regelmäßig trainieren müsse und so früh wie möglich, am besten vor dem 5. Lebensjahr beginnen sollte, um richtig gut zu werden. Da war ich viel zu spät dran. Doch es müsste doch auch einen schneller Weg geben, eine Abkürzung.

Es war spät geworden, mein Kopf konnte nicht mehr denken. Ich ging widerwillig ins Bett, morgen würde mir bestimmt etwas einfallen.

Die letzten Gedanken bevor ich einschlief, zeigten Kathi, ihren wilden, roten Haarschopf, der frech hin und her wirbelte, während sie alle Bälle parierte und mich lachend zu sich winkte.

3. Teil

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