Der lange und der Kurze Weg zum 1.Sieg

Die Saison 20/21 hat begonnen. Endlich können wir uns wieder mit anderen Mannschaften im regelmäßigen Spielbetrieb messen. Zwar finden bei den Erwachsenen coronabedingt keine Doppel statt und alle achten auf Mindestabstand, gute Lüftung im TT-Raum und Verzicht auf Shakehands, aber ansonsten erinnert fast nichts an die Pandemie. Hoffentlich bleibt das so und hoffentlich können wir die Saisonn ungestört zu Ende spielen.

Am letzten Wochenende bestritten unsere beiden Jugendmannschaften Ihre ersten Heimspiele. Für die 1. Jugendmannschaft ging es am Samstag gegen Hohen Neuendorf, die mit einer kompletten Mädchenmannschaft anreisten. Gleich war eine ganz andere Stimmung in der Halle, die es unseren Jungs nicht unbedingt einfacher machte, konzentriert zu bleiben. Wäre es nicht schön, wenn auch wir mehr Mädchen vom Tischtennis begeistern könnten? Im Moment haben wir mit Anja und Marie-Luise leider nur zwei aktive Nachwuchsspielerinnen.

Anja kam auch zum Einsatz, musste sich aber in Ihren vier Spielen geschlagen geben. Leider kann sie nur noch selten trainieren, weil sie nach Berlin gezogen ist. Toll, dass sie trotzdem weiterhin für uns spielt. Jamiro ging es nicht besser. Auch er verlor seine Spiele, viele Sätze nur ganz knapp. Da machte ihm der Kopf und der unbedingte Wille zum Sieg einen Strich durch die Rechnung. Wer kennt das nicht: bei drohendem Satzgewinn verkrampft sich alles, die Gedanken schweifen ab und schwups ist das Spiel verloren. Hier heißt es cool bleiben, Wettkampfhärte aufbauen und sich zwingen immer nur an den nächseten Ball zu denken.

Bennet und Tom machten es besser und holten jeweils zwei Spiele, so dass wir am Ende ein 4:10 erreichten.

Am Sonntag trat unsere zweite Mannschaft in neuer Formation an. Markus hatte entschieden den Neuen Walter, Nils und Paul einen ersten Auftritt in unserer Wettkampfarena zu spendieren. Theo komplettierte das Team und übernahm als altgedienter die Rolle des Kapitäns. Gespielt wurde im Braunschweiger System, wodurch wir zu viert gegen drei Bernauer antreten konnten.

Soverän starteten Theo und Walter mit einem 3:0 Sieg im Doppel. Klasse, dass die neu formierte Kombi so gut funktionierte und Walter bei seinem ersten Spiel gleich einen Sieg ergattern konnte.

Danach folgten leider drei 5 Satz Niederlagen. Nils, Theo und Walter konnten am Ende den Sack nicht zumachen, schade. Paul konnte in seinem ersten beiden Punktspielen leider nicht gewinnen und so blieb ihm als kleiner Trost die Erfahrung eines Ligaspiels, wo das Nervenkostüm schon mal ganz schon flattern kann.

Nils machte es in seinem zweiten Spiel besser. Gegen den mit 963 TTR Punkten ganz schön guten Jonathan zeigte Nils alles. Konzentrierte Schupfbälle, klasse Ballgefühl und den gewissen Killerinstinkt, die entscheidenen Bälle zu machen. Nach 5 Sätzen und beim Stand von 10:7 hatte er seinen Gegner weichgekocht und konnte äußerlich cool und gelassen den letzten fulminanten Ballwechsel gewinnen. Klasse, ein gewonnenes Spiel beim ersten Einsatz, davon kann man nur träumen.

Besser gesagt, davon träumt Theo schon etwas länger. Er hat im März 2017 sein erstes Punktspiel bestritten, das er verlor. In der folgenden Zeit hat er 66 weitere Spiele für uns gemacht, alle hat er verloren. Was für eine Leistung weiter zu machen, weiter zu trainieren und weiter an sich zu glauben!

Und dann gings gegen Juri vom TTC Bernau, der mit 939 TTR Punkten 89 mehr als Theo hatte. Der erste Satz ging klar an unseren Gast, der stark von Theos Fehlern profitierte. In der Satzpause sagte ich Theo, er solle mehr Schupfen, denn mit Unterschnitt kam sein Gegner nicht so gut klar. Doch Theo gab zu bedenken, dass der Schupfschlag eher zu seinen nicht so guten Schlägen gehöre. Trotzdem probierte er es im zweiten Satz öfter und verlor nur knapp mit 10:12. „Siehtst Du“, sagte ich zu ihm, „als Du viel Unterschnitt erzeugt hast, hast Du die Bälle gewonnen und am Ende hast Du wieder auf Dein Offensivspiel umgestellt und verloren.“ Theo war einsichtig und spielte im Folgesatz konsequent Schupf und siehe da: 11:4 gewonnen. Jetzt wurde sein Gegner nervös und Ihm gelang nichts mehr. Erst beim Spielstand von 8:3 für Theo im vierten Satz, merkte er es und spielte auch viel defensiver und kam auf 8:7 heran. Eine kritische Spielsituation. Als Juri schon zu seinem nächsten Aufschlag ansetzte, rief ich: „Auszeit“. Alle lachten, denn so ernst nehmen wir die Spiele meistens nicht und bei den Schülern sind Auszeiten eher selten. Viel hatte ich Theo nicht zu sagen, aber es gab ihm Gelegenheit etwas zu trinken, etwas Atmen zu holen und vielleicht würde ja der Rhythmus des Gegners unterbrochen werden. Wieder am Tisch fiel der Ausgleich – alles für die Katz? Nein, Theo blieb konzentriert und haute den nächsten Ball mit einem klasse Vorhandschuss, fast auf Tischhöhe, zurück. Nach dieser erneuten Führung, brachte er das Spiel mit 11:8 nach Hause. 2:2, jetzt gings um die Wurst. Doch so kanns gehen. Sein Gegner war völlig von der Rolle und Theo gewann ungefährdet mit 11:7.

Klasse Theo, jetzt weisst Du wie sich ein Sieg im Tischtennis anfühlt. Ich hoffe viele weitere werden folgen 🙂

Level-Up

Letzten Donnerstag habe ich Jamiro zum Einzeltraining eingeladen. Donnerstag ist der Trainingstag, an dem wir besonders talentierte und traingseifrige Nachwuchs-Spieler fördern.

Wie üblich begannen wir mit einer kurzen Erwärmung, ein paar Runden Lauf-ABC, ein paar Dehnübungen und schon gings mit dem Einspielen los: Vorhand-Konter, Rückhand-Konter und Topspin auf Block. Ich liebe diesen immergleichen Beginn und auch Jamiro zeigte ein breites Grinsen, als er nacheinander fünf Hammerspins auf mich abfeuerte und beim Sechsten die Nerven verlor und dem Duell mit einem übermütigen Schuß (ins Netz) ein Ende setzte.

Immer wieder war ich von der Qualität der Bälle so begeistert, dass ich laut ausrief: „Ja, genau, Wau, Klasse, Super…“, und selbst eine Gänsehaut vom Gelingen seiner Schläge bekam. So macht es Spaß Traininer zu sein. Doch es wurde noch besser:

In der nächsten Übung bestand Jamiros Aufgabe darin, einen Aufschlag zu machen, der entweder in meine tiefe Vor- oder Rückhand kommen sollte. Er sollte die gleiche Aufschlagbewegung durchführen und erst so spät wie möglich mit einem kleinen Dreh des Schlägers steuern, in welche Ecke der Ball kommt. Zuerst beobachtete ich seine Bewgung ganz genau, um den ankommenden Ball, möglichst gut zu antizipieren. Nach ein paar Minuten ging die Übung ganz gut und meine Gedanken schweiften ab. Ich dachte an ein Technikvideo, in dem Timo Boll den Topspin erklärt:

„Das könnte ich doch mal ausprobieren“, sagte ich mir und brachte beim nächsten Schlag die linke Seite meiner Hüfte etwas nach vorne, während meine rechte Schulter zurück blieb, bis ich dort eine Spannung spürte. Durch diese Vorspannung sammelte sich Bewegungsenergie, die bei der Schlagausführung frei wurde.
„Wumps“, machte es, als der Topspin übers Netz flog und auf Jamiros Seite einschlug. Ungläubig spürte ich der Bewegung meines Körpers nach. Es fühlte sich total natürlich und richtig an, wie er sich bewegt hatte und zum Dank überschüttete er mich mit einer Ladung Dopamin, die mich zum Weitermachen antrieb.

Unser Training, bei dem ja quasi ich diesmal der Lernende sein durfte, ging mit einem Trainingsmatch zu Ende, bei dem ich mich ganz schön strecken musste, um zu gewinnen. Ich verabschidete Jamiro und ging nach draußen, wo mich ein dramatischer Sonnenuntergang erwartete. Wie oft hatte ich schon vergeblich an meinen Bewegungsabläufen gefeilt? Wie oft in den letzten 6 Jahren wollte ich schon meinen Schläger wegwerfen? Bestimmt 1000 Trainingsstunden hatte sich nichts getan und jetzt, ohne dass ich es wollte, war etwas besonderes passiert.

Das Leben verläuft nicht immer gleichmäßig, manchmal scheint es sich stufenhaft zu entwickeln. Wie in der Quantenphysik beschrieben, bleibt es lange auf einem Niveau und macht dann plötzlich einen Sprung auf eine neue Stufe. Dieser Sprung auf ein neues Level kommt nicht einfach so daher, Voraussetzung dafür sind die vielen kleinen, unsichtbaren Schritte, die wir allzu oft übersehen und für Stillstand halten.

Gut gelaunt ging ich wieder rein. Heute war Herrentraining der 1. und 2. Mannschaft. Ich spiele seit kurzem in der 2. Mannschaft, bin aber mit Abstand der Schwächste im Team und gegen einen Spieler der 1. habe ich noch nie gewonnen. Zugegeben, Lukas, die Nummer 1 des Vereins, hat mich zuerst nicht ernst genommen und ich konnte es fast nicht glauben, als es 2 zu 2 stand und ich 8 zu 7 vorne lag. Ein ums andere mal hatte ich die neue Bewegung gut umgesetzt und sogar etwas ähnliches im Rückhand-Topspin entdeckt. Noch drei Punkte, ich wußte, dass sich Lukas nicht mehr steigern konnte. Ganz einfach brachte ich das Spiel mit 11 zu 7 nach Hause.

Sicher, das war nur ein Trainingsspiel und der Underdog hat es immer leichter als der Favorit. Doch ich habe diese Stufe genommen, ich weiß jetzt, dass ich einen Spieler mit 1630 TTR-Punkten besiegen kann.

Doch viel wichtiger ist mir, dass ich einen neuen Teil des Bewegungsablaufs selbst verstanden habe. Unser Nachwuchs kann sich schon mal freuen, dass ich beim Training jetzt immer wieder auf dieser Bewegung rumreiten werde 🙂

P.S. Ich freue mich auf Kommentare, die Du hier eintragen kannst.

Die Erfindung – Teil 6

Ich wachte am Samstag früh auf und spürte die Kraft der Möglichkeiten. Ein ganzes Wochenende ohne lästige Unterbrechungen lag vor mir, um an der Erfindung zu arbeiten.

Als erstes machte ich mir einen Plan:

1. Anzeige einbauen, die den Spin des ankommenden Balls anzeigt.
2. Optimalen Zeitpunkt für das Ausholen und Treffen des Balls berechnen und anzeigen.
3. Einblenden der prognostizierten Flugbahn des Balls und Treffpunkt auf dem Tisch markieren.
4. Training mit richtigem Gegenspieler.

Ich schaute mir den Plan an und erledigte das Einfachste sofort. Nachricht an Ben: „Hi Ben, hast Du morgen 15 Uhr Zeit? Treffpunkt bei mir, bring TT Sachen mit.“ Er antwortete prompt: „Klar, willst Du eine weitere Abfuhr :-?“
Ich antwortete: „Wir werden sehen.“

Dann machte ich mich an die Verbesserung des Head-Up Displays. Den angezeigten virtuellen Schattenspieler schmiss ich raus, stattdessen baute ich eine Schnittanzeige ein. Sie war in Form eines Pfeil an den ankommenden Ball geheftet. Die Länge des Pfeils gab die Stärke der Ballrotation an, die Richtung des Pfeils die Art des Schnitts: Unter-, Ober-, Seit- und Querschnitt.

Es lief gut, ich vergaß Zeit und Raum und als ich mit der Anzeige des optimalen Balltreffpunkt fertig war – Ich hatte einen Farbsaum um den Ball erzeugt, der von gelb nach schwarz wechselte, je dichter der ideale Balltreffpunkt kam und sich rot verfärbte, je länger dieser Zeitpunkt schon verstrichen war, wusste ich, dass ich es schaffen könnte.

Zuletzt fand ich einen einfachen Weg die Flugkurve des Balls zu prognostizieren und mit einer gestrichelten Linie anzuzeigen. Perfekt. Erschöpft fiel ich in einen traumlosen Schlaf.

Am nächsten Morgen sprang ich um 10:30 aus dem Bett, frühstückte drei Nutellabrote und ging dann direkt in den Keller.

Ich stellte die Ballmaschine auf zufälliges Spiel ein und übte, übte, übte. 

Mit jedem Schlag lernte ich, besser auf die Anzeigen zu reagieren, meine Ausholbewegung zu koordinieren und mit dem passenden Schlägerwinkel im richtigen Zeitpunkt zu treffen.

Als Ben an der Haustür klingelte, war ich bereit.

Die Erfindung – Teil 5

Schon auf dem Weg zur Sporthalle am nächsten Freitag, wusste ich, dass es ein Scheißtag werden würde. Meine Eltern hatten sich mal wieder gestritten, worum es ging, who cares. Kurz vor der Halle hatte ich einen Platten im Hinterrad und musste schieben und als ich endlich bei der Halle ankam, begrüßte mich Ben wie immer mit Handschlag und: „Hi Jörg, alles Cool?“. Bevor ich antworten konnte sah ich Kathi, wie sie sich mit Küsschen links und Küsschen rechts von einem viel älteren Typen, der sogar schon Barthaare auf der Oberlippe hatte, verabschiedete. Der Tag war gelaufen und ich konnte Ben nur gequält antworten:“Cool, klar.“

Nach der Aufwärmung ging es an die Tische. Ich durfte mit zwei anderen Balleimertraining bei Markus machen. Die Falkenbergübung bekam ich überhaupt nicht hin. Rückhand, Vorhand, Rückhand und Vorhand aus der Vorhandseite machten mich total fertig. Nils und Jamiro machten es viel besser. Doch Markus lobte uns alle für die Verbesserungen, die wir während der Übung schafften. Dabei verglich er uns nicht gegenseitig, sondern stellte nur fest, wenn wir etwas besser als zu Beginn der Übung hinbekommen hatten. Eine ganz neue Erfahrung für mich, denn sonst schaue ich immer auf den Besten und wenn ich es nicht bin, werde ich schon mal sauer und will dann gar nicht weiter machen.

Markus wurde nicht müde zu betonen, wie wichtig die Beinarbeit und dabei schnelle und tiefe Site-Steps im Tischtennis sind, eine Information, die mir bisher noch nicht so klar war und die ich unbedingt in mein Training einbauen musste.

Das abschließende Spiel gegen Tom, einen der älteren Spieler, verlor ich klar. Ein ums andere Mal erkannte ich den massiven Unterschnitt in seinen Bällen nicht, so dass ich den Ball ins Netz schlug. Und wenn ich dachte, der Ball hätte ganz viel Unterschnitt, war er leer und sprang so hoch, dass Tom ihn mir um die Ohren haute.

Es war nicht mein Tag.

Zuhause setzte ich mich an meinen Computer und versuchte mein virtuelles Trainingssystem zu verbessern, aber auch das wollte heute nicht gelingen. Entnervt gab ich auf, legte mich aufs Bett und drehte die Anlage auf, bis ich gar nichts mehr fühlte außer die Bässe der Musik.

6. Teil

Die Erfindung – Teil 4

Zwei Wochen später war der Prototyp fertig. Ich hatte einen freien Cloud Service zur Mustererkennung bewegter Bilder, wie er auch zur Steuerung autonomer Autos genutzt wird, so angepasst, dass damit auch die schnellen Aktionen des Tischtennis aufgelöst werden konnten. Ich trainierte das neuronale Netz mit den vielen Videos auf YouTube und mit den Lehrvideos von Timo Boll Webcoach, zu dem ich seit kurzem ein Premium Zugang hatte. Hier gab es das beste Videomaterial zum erlernen von Flip, Block, Schupf, Topspin, Konter, Banane, Abwehr- und Aufschlag.

Bei der zweiten Komponente der Erfindung konnte ich aus dem Vollen schöpfen: In den letzten vier Jahren hatte ich in meiner Freizeit und in vielen durchwachten Nächten an dem Open Source Projekt „Ping Pong“ mitgearbeitet. Wir hatten, basierend auf der Unreal Engine von Epic Games einen Tischtennis Simulator geschrieben, den ich leicht auf meine Bedürfnisse anpassen konnte.

Über vier Kameras, die ich um unsere Tischtennisplatte im Keller verteilt hatte, gelangte die Spielsituation in meinem Gaming PC, der daraus ein komplettes dreidimensionales Modell der Spielsituation berechnen konnte. Die Rechenleistung reichte aus, um dies bis zu 500 Mal in der Sekunde zu erledigen. Schon verrückt, wie leistungsfähig die aktuellen Grafickarten geworden sind, im Jahr 2000 hätte mein Spiele PC mit dieser Rechnenleistung locker die Spitzenposition der leistungsstärksten Computer der Welt erobert.

Der Computer konnte gleichzeitig die Spielsituation analysieren und daraus einen künstlich generierten Spieler, der Timo Boll sehr ähnlich sah, generieren. Dieser virtuelle Spieler wurde in meine AR-Brille projeziert, mit der ich gleichzeitig das Spielgeschehen und die Spieleranimation vor mir sehen konnte. (Das funktioniert so ähnlich wie ein Head-Up Display im Düsenjet.)

So ausgestattet mit der Brille vor dem Gesicht – siehe Bild oben – hatte ich ein sich perfekt bewegenden und schlagenden Spieler in meinem Blick, den ich nur noch nachmachen brauchte.

Das hört sich vielleicht leicht an, aber beim Training an unserer Ballmaschine im Keller wurde mir schnell klar, dass ich noch sehr viel Training vor mir hatte. Aber das kante ich schon von den Computerspielen, bei denen ich mühsam Stück für Stück besser geworden bin, manchmal über Jahre hinweg. Auch da hatte ich mich nicht demoralisieren lassen.

Ich wußte, ich hatte ein Ziel, nichts würde mich aufhalten, so gut wie Kathi zu werden.

5. Teil

Die Erfindung – Teil 3

Ich stand auf einer Anhöhe, neben mir Oasis und Driver, meine Gefährten. Mein Blick ging durch mein Visier, auf dem alle wichtigen Statusinformationen und das Zielkreuz zum Anvisieren der Gegner sichtbar war. Klar, dass wir diesen Strike gewinnen und damit die ewige Bestenliste von NiteForte anführen würden.

Oasis nahm gerade das Gebäude vor uns unter Beschuss, als Driver mir übers Headset zurief: „Ich geh rein, gib mir Feuerschutz.“ Ich sprang nach vorne, drückte zweimal schnell die linke Maustaste, um zu springen und stand am Tischtennistisch, auf der anderen Seite Kathi, die zum Aufschlag ausholte.

Keine Zeit zum Nachdenken, da kam schon der Aufschlag angeschossen. Ich hatte keine Chance. Auch der zweite Aufschlag schlug so schnell in meiner tiefen Rückhand ein, dass ich nicht reagieren konnte. Doch jetzt war ich dran. Als ich mich auf meinen Aufschlag vorbereitete, fielen mir verschiedene Anzeigen in meinem Sichtfeld auf, die mir wie beim Computerspiel helfen konnten.

Ich warf den Ball hoch und sah einen vertikale Balken, der seine Farbe änderte, als der Ball wieder runter kam. In dem Moment, als er knapp über der Tischkannte war, blinkte er grün, dass sollte wohl bedeuten, dass jetzt der optimale Moment zum Schlag war. Leider verpasste ich den Ball, doch im nächsten Versuch war ich schon besser. Der Ball kam regelgerecht übers Netz, Kathi antwortete aber mit einem tollen Vorhand Flip, 4 zu 0 für sie.

Bei ihrem nächsten Aufschlag war ich schon besser: der ankommende Ball war von einem roten Lichtschein umgeben, damit wurde der Schnitt markiert. Rot signalisiert Oberschnitt und blau bedeutet Unterschnitt. Die Flugkurve des Balls war durch einen blassen Streifen gekennzeichnet, ich konnte also ganz schnell erkennen, wo der Ball auf meiner Seite aufkommen würde. Klasse, dachte ich mir, so gewinne ich gegen sie.

Die nächsten Punkte waren ausgeglichener, doch am Ende verlor ich 11:5. Es war zwar einfacher, mit den Anzeigen zu spielen, doch fiel es mir noch schwer alle Informationen in meine Reaktionen einfließen zu lassen. Mir fehlte Training, aber ich sah einen Weg besser zu werden.

Als wir uns am Ende des Spiels abklatschten, hörte ich Kathi sagen:“Toll Jörg, Du bist ja echt schnell besser geworden, bald wird es schwer werden, gegen Dich zu gewinnen.“ Darauf fiel mir nichts ein, ich erwiderte nur: „Ach, Du spielst doch noch viel besser als ich.“

Als Kathi lächelte ging das Licht in der Halle aus und ich wachte auf.

4. Teil

Die Erfindung – Teil 2

Zu Hause erwartete mich meine Mutter mit einem opulenten Abendessen und ähnlich vielen Fragen wie es vegetarische Bio-Aufstriche auf dem Tisch gab. Wie mich das nervte. Immer wollte sie alles ganz genau wissen, als ob ich noch ein Kind wäre.

Irgendwie schaffte ich, dass sie aufgab und ich verzog mich in mein Zimmer. Dort setzte ich mich gleich in meine Denker-Ecke, ich brauchte einen klaren Kopf und eine gute Idee.

Was war in der Sporthalle passiert?
Ich machte meine Augen zu, stellte mir nochmal die Tischtennishalle vor, sah Kathi beim Balleimertraining und zack, wieder bemerkte ich, wie mein Herz schneller schlug, wie beim Spurt auf dem Fahrrad. Und da war wieder das angenehme Kribbeln im Bauch und meine Ohren wurden auch schon wieder rot.

Der Fall war klar, ich hatte mich verliebt oder, wie es mein älterer Bruder ausdrückte, verknallt. OK, doch was sollte ich machen? Wie könnte ich an Kathi rankommen? Einfach hingehen und sagen: „Hey,willst Du mit mir gehen“, ging ja wohl nicht.

Ein paar Momente später kam mir die Idee: Wenn ich so gut wie sie spielen könnte, würde sie mich bemerken und vielleicht sogar mit mir reden und dann wäre alles möglich.

Ben hatte erzählt, dass man viel und regelmäßig trainieren müsse und so früh wie möglich, am besten vor dem 5. Lebensjahr beginnen sollte, um richtig gut zu werden. Da war ich viel zu spät dran. Doch es müsste doch auch einen schneller Weg geben, eine Abkürzung.

Es war spät geworden, mein Kopf konnte nicht mehr denken. Ich ging widerwillig ins Bett, morgen würde mir bestimmt etwas einfallen.

Die letzten Gedanken bevor ich einschlief, zeigten Kathi, ihren wilden, roten Haarschopf, der frech hin und her wirbelte, während sie alle Bälle parierte und mich lachend zu sich winkte.

3. Teil

Die Erfindung – Teil 1

Einen Tag nach meinem 13. Geburtstag sah ich sie und es war um mich geschehen. Mein bester Freund, Ben hatte mich zum Tischtennis Training in unseren kleinen Dorfverein mitgenommen. Wir hatten in der letzten Zeit regelmäßig in den Schulpausen gespielt und Ben meinte, es wäre jetzt Zeit, besser zu werden. Ich stimmte zu, hauptsächlich um meine Eltern zu besänftigen, die mir schon lange auf die Nerven gingen. Immer wieder ermahnten sie mich:„ Jörg geh an die frische Luft und sitz nicht dauernd vorm Computer.“ Sie hatten keine Ahnung von dieser faszinierenden Welt. Im Alter von sechs Jahren hatte ich eine Microsoft Veranstaltung in Berlin Mitte besucht, bei der uns Kindern das Programmieren beigebracht werden sollte. Ich war der Einzige, der richtig begeistert war und dran geblieben ist.

Sie hieß Katharina, wurde von allen Kathi genannt und trotzdem sie erst 14 Jahre alt war, konnte sie es schon mit den besten Spielern des Vereins aufnehmen. „Das ist das tolle an diesem Sport“, erklärte Ben, als wir auf eine freien Tisch warteten, „es geht nicht um Kraft sondern um Schnelligkeit und da können wir mit den Erwachsenen mithalten!“

Ich hörte nur halb zu. Verlegen schielte ich zu Kathi, die am Balleimer wie ein Wirbelwind hin und her wetzte und kleine Plastikbälle schlug. Ihre Bewegungen waren präzise und schnell, hatten aber auch etwas anmutiges, leichtes. Sie spielte nicht nur Tischtennis, sie war das Tischtennisspiel und das erinnerte mich an meine besten Momente vor dem Computer, bei denen ich Raum und Zeit vergaß und ein Teil des Computers wurde.

Plötzlich raste ein Querschläger direkt auf mein Gesicht zu. Ohne nachzudenken, ganz automatisch, bewegte sich meine Hand und fing den Ball auf. Kathi, die bisher mit dem Rücken zu uns gestanden hatte, drehte sich um. Ihr Blick traf mich wie ein wuchtiger Aufschlag. Mit breitem Lächeln, das ihre Sommersprossen zum Leuchten brachte, schien sie mir zuzurufen: „Hey Süßer, wirf den Ball zurück!“

Ihr könnt Euch sicher vorstellen, das mir das Herz in die Hose rutschte, mein Gesicht einer Tomate glich und mein Rückwurf meilenweit neben Kathis ausgestreckter Hand landete. Trotzdem bedankte sie sich mit einem kleinen Knicks.

„Was ist denn mit Dir los?“, fragte Ben. „Nichts, wieso?“, antwortete ich mit meinem besten Pokerface. „Komm, da ist ein Tisch freigeworden“, sagte Ben und setzte sich in Bewegung. Ich hatte Mühe meine Beine kontrolliert zu bewegen und das wurde auch im Spiel nicht besser. Ben besiegte mich klar 11:3, 11:5 und 11:1, ich hatte nicht den Hauch einer Chance. Wie gut, dass Kathi überhaupt keine Notiz von uns nahm.

Nach dem Spiel kam Markus, einer der Trainer auf uns zu, stellte sich vor und lobte unser Spiel. Wir hätten gute Anlagen und könnten es mit regelmäßigem Training weit bringen.

Er und auch ich wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie recht er damit haben sollte.

2. Teil

Saison-Halbzeit 2019/20

Mensch, wie die Zeit vergeht! Weihnachten steht vor der Tür, ein paar Haare sind grau geworden, einige Bäuche dicker und die erste Halbserie der Saison ist auch schon wieder rum. Wir sind diese Saison zum ersten Mal mit sieben Mannschaften im Erwachsenenbereich angetreten und haben das Kunstwerk geschafft, eine große Straße in der Platzierung zu fabrizieren, was für ein Teamwork 🙂

Erwartungsgemäß musste unsere 1. als Aufsteiger einiges einstecken und kam mit zwei Unentschieden über den 10. und letzten Tabellenplatz nicht hinaus. Genauso konnte man erwarten, dass die 7. Mannschaft in ihrer 1. Saison hauptsächlich Lehrgeld bezahlen musste. Immerhin schafften sie zwei Siege und schlossen auf dem 9. Platz ab. Die neu formierte 2. Mannschaft um Alec, Paul und Oli musste für jedes Spiel einen Ersatzspieler organisieren und konnte trotzdem knapp den 8. Platz sichern. Die routinierten Spieler der 6. Mannschaft landeten mit ausgeglichenem Konto auf dem 7. Rang und konnten das vereinsinterne Duell mit der 7. klar für sich entscheiden. In der Mitte der Tabelle auf Platz 6 landete die 4. Mannschaft, möglich wurde das durch einen starken Endspurt mit 7:1 Punkten in den letzten 4 Spielen. Unsere 5. Mannschaft schloss auf dem 5. Platz ab, punktgleich mit den Drittplatzierten aufgrund des schlechteren Spielverhältnisses. Beste Werneuchener Mannschaft wurde die dritte Mannschaft um die Leistungsträger Remo und Mario auf Platz 4.

Benny ist Spitze

Ein besonderer Dank geht an Benny. Er hat in der ersten Halbserie in der 5., 4., 3. und 2. Liga insgesamt 21 Ligaspiele absolviert und damit einen wichtigen Beitrag geleistet. In der 5. Mannschaft hat er mit 28:2 Punkten sogar den Spitzenplatz der Einzelwertung der 2. Kreisklasse erzielt.

Benny

In den vier Monaten der Halbserie konnte er sich von 1203 auf 1374 TTR Punkten verbessern, eine Leistung, die normalerweise nur unsere Jugendlichen in Ihrer Sturm-und Drangzeit zustande bringen. Ich bin gespannt, wie es bei Benny weitergeht, eins steht aber schon fest: in der Rückserie wird er aufgrund seiner hohen TTR Punkte in den unteren Mannschaften nicht mehr zur Verfügung stehen.

Und was macht der Nachwuchs?

Das Jugendteam musste den altersbedingten Weggang von Alec und Mika verkraften und erreichte dieses Jahr den 5. Platz in der Landesliga. Hier fehlt die Ausgeglichenheit im Team: Antonia und Bennet konnten sich in der Liga gut behaupten, Anja, Tom und Theo zeigten eine gute Entwicklung, ich habe große Hoffnung, dass sie in den nächsten Spielen eine starke Entwicklung machen können. Die Voraussetzungen sind gelegt, jetzt heißt es die Früchte ernten, die in den letzten Jahren gepflanzt wurden.

Das Schülerteam hatte es in der Barnimliga sehr schwer und belegte den vorletzten Platz im Tableau. Fabian konnte 16:2 Punkte erreichen und damit die Bronzemedailie der Einzelbilanz ergattern, neben ihm klafft aber ein großer Graben. Hoffnung macht mir, dass wir mit Elijah und Johannes zwei junge, ehrgeizige Spieler haben, die mit jedem Punktspiel Erfahrung sammeln und besser werden. In der neuen Saison werden Jamiro und Ron in den Ligaspielbetrieb einsteigen und unsere Möglichkeiten erweitern.

Und was machen die Trainer?

Ich bin davon überzeugt, dass es wichtig ist, das eigene Spiel zu entwickeln, um als Trainer besser zu werden und den Kindern und Jugendlichen auch spielerisch ein Vorbild sein zu können. Sven und Markus sind diese Saison in den Spielbetrieb eingestiegen und haben damit einen wichtigen Meilenstein genommen. Markus und ich trainieren jede Woche 2 Stunden und dadurch ist Markus Spiel im letzten Jahr sehr viel besser geworden, so dass ich sicher bin, dass er in naher Zukunft einen Leistungssprung machen wird.

Selbst genieße ich, dass ich in den letzten Wochen stark gespielt habe und Benny auf den Fersen bin 🙂 Ich hoffe, dass einer der Nachwuchsspieler im nächsten Jahr noch schneller besser wird und mich überflügelt. Dann gebe ich einen aus, denn so soll es sein, dass die junge Generation die Alten überflügelt und ihren Platz in der Gemeinschaft einnimmt.

Tischtennis fernsehen

Keine Lust mehr auf billige Vorabendserien, schlechte Nachrichten und ständige Werbeunterbrechungen im Fernsehen?

Dann guck doch mal bei einem der verschiedenen Videodienste im Internet vorbei. Auf YouTube gibt es z.B. Tom Lodziak mit klasse Erklärvideos und Pongfinity, drei sympathische Jungs aus Finnland, die unmögliche Tischtennis-Trickshoots zeigen.

Und der ITTF bietet live Streams von allen wichtigen Profiturnieren an. Das Beste daran ist die überragende Bildqualität mit Superzeitlupe, verschiedenen Kameraperspektiven und dem hervorragenden Tischtennis- Kommentator Adam Bobrow, ein echt verrückter Typ!

Gestern wollte ich mir die Partie Timo Boll gegen Dimitrij Ovtcharov bei den Austrian Open ansehen, also bin ich auf auf die Seite der International Tabletennis Federation gegangen https://tv.ittf.com, habe mich eingelogt (beim ersten mal muss man sich hier mit einer E-Mail Adresse registrieren) und das gesehen:

Was ist denn hier los? Was zuerst wie ein technisches Problem aussieht, entpuppt sich beim Durchlesen als Rechteproblem. Wie auch im Fußball immer üblicher, soll ich jetzt auch beim Tischtennis nur mit einem kostenpflichtigem Dienst dabei sein.

Das Verfahren, Inhalte nur in bestimmten Regionen der Welt verfügbar zu machen, nennt man Geoblocking und natürlich gibt es Dienste, die es umgehen. Ich habe mich für Windscribe.com entschieden. Hier kann man sich kostenlos anmelden und dann bis zu 10GB monatlich laden, so als säße man in einem anderen Land.

Nachdem ich die Erweiterung für den Browser FireFox installiert hatte, siehe gibt es dort jetzt einen neuen Knopf, mit dem ich den Service starte und so tue, als wäre ich nicht in Deutschland:

Mit der Aktion hatte ich zwar die ersten beiden Sätze verpasst, doch immerhin konnte ich dann das spannende Spiel verfolgen.

Ich bin gespannt, wie lang die Übertragungen des ITTF noch kostenfrei bleiben oder ob auch hier bald ein bezahlter Service einzug hält.

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