Die Erfindung – Teil 1

Einen Tag nach meinem 13. Geburtstag sah ich sie und es war um mich geschehen. Mein bester Freund, Ben hatte mich zum Tischtennis Training in unseren kleinen Dorfverein mitgenommen. Wir hatten in der letzten Zeit regelmäßig in den Schulpausen gespielt und Ben meinte, es wäre jetzt Zeit, besser zu werden. Ich stimmte zu, hauptsächlich um meine Eltern zu besänftigen, die mir schon lange auf die Nerven gingen. Immer wieder ermahnten sie mich:„ Jörg geh an die frische Luft und sitz nicht dauernd vorm Computer.“ Sie hatten keine Ahnung von dieser faszinierenden Welt. Im Alter von sechs Jahren hatte ich eine Microsoft Veranstaltung in Berlin Mitte besucht, bei der uns Kindern das Programmieren beigebracht werden sollte. Ich war der Einzige, der richtig begeistert war und dran geblieben ist.

Sie hieß Katharina, wurde von allen Kathi genannt und trotzdem sie erst 14 Jahre alt war, konnte sie es schon mit den besten Spielern des Vereins aufnehmen. „Das ist das tolle an diesem Sport“, erklärte Ben, als wir auf eine freien Tisch warteten, „es geht nicht um Kraft sondern um Schnelligkeit und da können wir mit den Erwachsenen mithalten!“

Ich hörte nur halb zu. Verlegen schielte ich zu Kathi, die am Balleimer wie ein Wirbelwind hin und her wetzte und kleine Plastikbälle schlug. Ihre Bewegungen waren präzise und schnell, hatten aber auch etwas anmutiges, leichtes. Sie spielte nicht nur Tischtennis, sie war das Tischtennisspiel und das erinnerte mich an meine besten Momente vor dem Computer, bei denen ich Raum und Zeit vergaß und ein Teil des Computers wurde.

Plötzlich raste ein Querschläger direkt auf mein Gesicht zu. Ohne nachzudenken, ganz automatisch, bewegte sich meine Hand und fing den Ball auf. Kathi, die bisher mit dem Rücken zu uns gestanden hatte, drehte sich um. Ihr Blick traf mich wie ein wuchtiger Aufschlag. Mit breitem Lächeln, das ihre Sommersprossen zum Leuchten brachte, schien sie mir zuzurufen: „Hey Süßer, wirf den Ball zurück!“

Ihr könnt Euch sicher vorstellen, das mir das Herz in die Hose rutschte, mein Gesicht einer Tomate glich und mein Rückwurf meilenweit neben Kathis ausgestreckter Hand landete. Trotzdem bedankte sie sich mit einem kleinen Knicks.

„Was ist denn mit Dir los?“, fragte Ben. „Nichts, wieso?“, antwortete ich mit meinem besten Pokerface. „Komm, da ist ein Tisch freigeworden“, sagte Ben und setzte sich in Bewegung. Ich hatte Mühe meine Beine kontrolliert zu bewegen und das wurde auch im Spiel nicht besser. Ben besiegte mich klar 11:3, 11:5 und 11:1, ich hatte nicht den Hauch einer Chance. Wie gut, dass Kathi überhaupt keine Notiz von uns nahm.

Nach dem Spiel kam Markus, einer der Trainer auf uns zu, stellte sich vor und lobte unser Spiel. Wir hätten gute Anlagen und könnten es mit regelmäßigem Training weit bringen.

Er und auch ich wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie recht er damit haben sollte.

2. Teil

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